Tag 15

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Taschen aus recyceltem Material

Taschen aus recyceltem Material

Das "Motto" des Frauenzentrums

Das “Motto” des Frauenzentrums

Zu unserem Erstaunen konnten wir, obwohl wir in einem 20 Personen Zimmer schliefen, erholsam schlafen und genug Energie für den nächsten Tag schöpfen. Der “Schlafsaal” lag in Mitten eines grünen, mit vielen Blumen bewachsenen Gartens. Dieser Ort war einst ein gewöhnliches Stück Land und wurde erst von der Italienerin Maria Cavallieri in ein Frauenzentrum verwandelt. Dieses besteht aus verschiedenen Frauenkooperativen, welche den Frauen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Ein Beispiel dafür ist die Weberei, welche wir uns anschauen durften. In dieser arbeiten 4 Frauen seit 13 Jahren. Die Kooperative gibt ihnen die Möglichkeit Weiterbildungen zu besuchen und ihr Handwerk zu verbessern. Beeindruckend war für uns, dass die Frauen in der Weberei all ihre Probleme zeitweise vergessen und sich ganz ihrer Kunst widmen. Das bisschen Geld was sie verdienen behalten sie nicht etwa für sich, sondern geben es an ihre Kinder weiter,damit sie zur Schule gehen können. Neben dem konventionellen Weben von Baumwollfäden verwenden die Frauen auch alte Plastiksäcke um neue Taschen und Rucksäcke herzustellen. Bevor wir uns auf den Weg nach Hause machten, nutzten wir die Gelegenheit das schöne Gelände noch einmal genauer zu besichtigen. In San Marcos angekommen und beim Betreten des Hotels fühlten wir uns wie zu Hause.

-Julia und Fiona-

 

Tag 14

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Nach einem ausgedehnten, gemeinsamen Frühstück mit dem Filmteam, ging es heute für uns alle in eine kleine Schokoladenfabrik. Dort bekamen wir die Möglichkeit, uns die einzelnen Schritte der Schokoladenherstellung genauer anzuschauen und auch selber Schokolade zu machen. Nachdem wir bereits gesehen hatten, wie Kakao angebaut und geerntet wird, war es nun besonders interessant für uns, zu sehen, wie aus Kakao letztendlich die Schokolade wird:
Zunächst werden die fermentierten und getrockneten Kakaobohnen bei 113-115°C geröstet, sodass die Schale leichter abgelöst werden kann. Eine Maschine trennt mithilfe einer Schleuder Schalen und Kakao, so können erstere noch als Tee oder auch als Dünger weiterverwendet werden.
Der Kakao wird nun in unterschiedlichen Verhältnissen mit Zucker vermischt und fünfmal gemahlen, dabei tritt Öl aus dem Pulver aus, was das Ganze zu einer dickflüssigen Creme macht. Danach lässt man die Masse für einen Tag ruhen. Für die Verarbeitung mit verschiedenen Aromen, wie Orange, Kaffee oder Erdnuss, wird die Masse in der Mikrowelle dann erneut verflüssigt und im Mixer für 3 Stunden bei 45°C gut durchgerührt. Anschließend muss die Masse vorsichtig auf 33°C abgekühlt werden, um sie per Hand in die Formen abzufüllen. Hierbei ist es wichtig, dass in der Schokolade keine Bläschen entstehen. Zum Schluss kommt das Ganze bei 7°C für nur 10 Minuten in den Kühlschrank und wird anschließend per Hand verpackt. Die Schokolade ist zu 100% natürlich vegan und sehr lecker!
Nachdem wir beim Mittag gleich weitergegessen hatten, haben wir uns auf den Weg zu dem kleinen Dorf El Plomo gemacht, wo wir eine Frauenkooperative besuchten, in der Schmuck hergestellt wird.
Wieder wurden wir sehr herzlich empfangen und haben von einer der Mitbegründerinnen sehr viel über das Schmuckhandwerk, vor allem aber über die Werkstatt und die Arbeit der Frauen erfahren, die dort nun seit neun Jahren arbeiten:
Die Idee dieser Kooperative hat sich aus dem Willen ergeben, eigenständig, ehrlich und unabhängig einer Arbeit nachzugehen, um sein Leben selbst in die Hand nehmen zu können. Dieses Bedürfnis bewegte die zu Anfang noch acht Frauen, sich zusammenzuschließen, da die Situation für Arbeitsmöglichkeiten von Frauen in Nicaragua derzeit sehr schwierig ist. Besonders für diejenigen, denen ein Schulabschluss nicht ermöglicht werden konnte. So begannen sie, gemeinsam Marmelade herzustellen und zu verkaufen. Dies brachte aber nahezu keinen Gewinn ein und so trennten sich bald vier der Frauen von der Gruppe. Die anderen vier widmeten sich nun der Schmuckherstellung aus Pflanzensamen. Die Handkniffe dazu brachten sie sich alle selbst bei. Seit dem entstehen dort wunderschöne Schmuckstücke, die mit verschiedensten Techniken und aus 21 verschiedenen Samensorten angefertigt werden.
Mit dem geringen Einkommen daraus können nun beispielsweise Materialien bezahlt werden, aber einen Gewinn können die Frauen noch immer nicht erzielen und so reicht das Geld lange nicht zum Leben aus. Dennoch ist es ihnen gelungen mit mühsamen Ersparnissen und kleineren Krediten eine Werkstatt aufzubauen. In dem kleinen Dorf hat die Kooperative ein recht gutes Ansehen. Beispielsweise werden von dort auch Schulhefte und andere Materialien an die Schulkinder im Dorf ausgegeben. Im Gegenzug sammeln die Kinder den Frauen Samen für den Schmuck und können verschiedene Techniken erlernen.
Beeindruckt hat uns hier die spürbare Begeisterung der Frauen von ihrer Arbeit, sowie der Stolz auf das, was sie tun und erreichen. Faszinierend war auch die Energie, immer weiter zu machen, auch wenn es ungewöhnlich und hart ist. Das bewegte uns alle natürlich dazu, viel von unserem Geld dort zu lassen und dafür ein paar der schönen Schmuckstücke mitzunehmen.
Danach fuhren wir weiter, in die Nähe von Madagalpa, der Hauptstadt dieses Gebietes. Dort wollten wir über Nacht in der großen Frauenkooperative Fundacion Maria Cavalleri bleiben. Das Anwesen glich einer kleinen Oase und war auch verbunden mit einer Finca rings herum.
Den Abend verbrachten wir jedoch in Madagalpa. Und da der Valentinstag hier von sehr großer Bedeutung ist, wimmelte es auf allen Straßen nur so von Pärchen und Freunden. An jeder Ecke gab es laute Musik mit tanzenden Leuten und tausende von Ständen, an denen sich das Essen lohnte.
Beflügelt von der rasanten Kultur fuhren wir zurück in die Kooperative, wo einige von uns die Umgebung noch bei Nacht erkundeten.

-Lotta-

Verrühren der Schokolade

Verrühren der Schokolade

Tag 13

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Als wir heute Morgen nach einer schlaferfüllten Nacht aufwachten waren wir etwas irritiert von dem Geräusch des Regens auf den Wellblechdächern über uns. Anscheinend gilt die Trockenzeit nicht bei einer Höhe von ca. 1300m. Wir kramten unsere Regenjacken raus und machten uns auf den Weg zu der Finca von Gestern. Doch diesmal waren das Filmteam, das nach den Komplikationen mit der Kamera nachgekommen war, sowie der Landwirt der biologisch bewirtschafteten Finca vor Ort und er erzählte uns etwas über den Unterschied zu herkömmlichen Fincas. Die Kakao und Kaffeepflanzen werden hier gemischt mit verschiedenen Bäumen gepflanzt. So entstehen keine Monokulturen und die Kaffeepflanzen profitieren von dem Schatten der Kakaopflanzen. Zum Düngen werden die Schalen der Kaffeebohnen zusammen mit Mist verwendet. Gegen Krankheiten geht der Bauer nur mit Kalk und Schwefel vor. Er hat uns erzählt, dass die Finca als er das Land gekauft hat nur mit Mais bepflanzt war. Dadurch war der Boden zerstört und die natürliche Quelle ausgetrocknet. Er hat angefangen das Land wieder aufzuforsten. Erst nach sechs Jahren war das Land wieder vollständig regeneriert und sogar die natürliche Quelle ist wieder gekommen. Das hat uns gezeigt, dass die Wiederaufforstungsprojekte, die es hier überall gibt, tatsächlich viel erreichen können. Als nächstes fuhren wir zu einer Kaffeefinca. Dort wurde uns angeboten selber einmal Kaffee zu ernten, was wir natürlich gerne ausprobieren wollten. Jeder von uns bekam einen Bastkorb, den wir uns um die Hüfte binden sollten. Anschließend gingen wir zu den Plantagen und fingen an, zu pflücken. Wir sollten nur die roten Früchte sammeln. Leider waren gerade erst die Pflanzen abgeerntet wurden, weshalb wir nicht sehr viele reife Früchte ernten konnten. Danach wurde die Ernte in eine Maschine gekippt, welche die Schalen der Bohnen entfernt. Der Kaffee muss je nach Temperatur bis zu 8h fermentieren. (Die Fermentierung ist ein chemischer Prozess mit Hilfe von Bakterien.) Danach wird das Fruchtfleisch um die Bohnen abgespült und anschließend zum Trocknen in die Sonne gelegt. Nach dem leckeren Mittagessen (natürlich Reis mit Bohnen) backten wir leckere kleine Brötchen. Diese schmecken wie Milchbrötchen aber bekommen durch den Steinofen ein rauchigeres Aroma und sind knackiger. Das schöne ist, dass man sie auch sehr leicht in Deutschland nachbacken kann. Man benötigt nur: 450g Mehl, 1 Ei, 1/2 Tasse Zucker, 1/2 Tasse geschmolzene Margarine, 1 TL. Backpulver und Buttermilch. Man mischt erst alles außer die Buttermilch zusammen und mixt dann so viel Buttermilch dazu, dass ein klebriger Teig entsteht. Das Ganze formt man zu kleinen Kugeln, streut Zucker drauf und bäckt es im Ofen bis es gold-braun ist. Der letzte Tagespunkt war eine kleine Keramikkooperative. Diese wird von 11 Frauen betrieben und das Wissen wird immer an die Töchter weitergegeben. Diese Kooperative ist berühmt für ihre “ceramica negra”, also die schwarze Keramik. Uns wurden die zwölf Schritte erklärt, die es benötigt bis man schließlich das fertige Produkt erhält. Der Ton wird 3 km weiter ausgegraben und zu Fuß in den Ort getragen. Dort wird er zunächst zerkleinert und 3 Tage lang eingeweicht. Das Ergebnis wird in eine Steinwanne gesiebt und das Wasser muss verdunsten. Dann erst ist der Ton fertig zum Formen. Das passiert in einem kleinen Raum mit zwei Drehscheiben, welche man durch seine Füße zum Drehen bringt. Wenn die Form fertig ist, wird sie glatt gemacht und dann zum ersten Mal poliert. Dann wir die Keramik zunächst in der Sonne getrocknet und vor dem Brennen nochmal poliert. Man poliert die Keramiken mit rundgeschliffenen Steinen aus dem Meer. In dem Steinofen können bis zu 150 Teile auf 700 C erhitzt werden. Doch jetzt ist die “Cerámica Negra” noch nicht schwarz sondern rot-braun. Für die Färbung wird die Keramik direkt nach dem Brennen in Pinienzweige und Blätter gelegt, welche sich durch die Hitze entzünden und Rauch entwickeln. Dieser Rauch färbt die Keramik nachtschwarz. Am nächsten Tag werden die Keramiken gereinigt und verziert. Das heißt, dass mit einer Fahrradspeiche Muster hineingeritzt werden. Die fertigen Produkte werden in ihrem kleinen Laden vor Ort, aber auch in der Stadt und in anderen Kooperativen verkauft. Wir durften selber mit Hilfe von den Frauen einen kleinen Teller formen und stellten fest, dass wir ohne ihre Hilfe aufgeschmissen gewesen wären. Uns wurde erzählt, dass man 1 Monat braucht, um zu lernen wie man einen perfekten Teller macht. Nach dem wir nochmal in dem kleinen Lädchen gestöbert haben, sind wir nach Jinotega gefahren, wo wir übernachteten. Auf dem Weg dahin konnten wir noch einen wunderschönen Regenbogen beobachten, was in der Trockenzeit schon eine Seltenheit ist.

-Fiona-

 

 

Tag 12

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Der heutige Tag begann für uns mit einer sehr kalten Dusche und einem leckeren Frühstück in el Cua. Wir hatten in einer kleinen einfachen Pension übernachtet und starteten diesen Morgen um 8 zur Besichtigung der ersten Finca. Der Weg dorthin war sehr abenteuerlich und wir hatten ihn an vielen Stellen nicht für befahrbar gehalten. Aber mit genügend Geschwindigkeit und Zuversicht ging alles gut und auch der ein oder andere Fluss wurde mit dem Auto durchquert. Als wir schließlich in der Finca angekommen waren, regnete es relativ stark, was nicht besonders typisch für diese Jahreszeit ist. Wir machten uns aber trotzdem gemeinsam mit dem Bauern auf, in Richtung Kakaopflanzen. Auf dem Weg erklärte er uns einiges über die Finca und über Kakao allgemein. Diese Finca ist ungefähr 65 Manzanas groß, was 130 Hektar sind. Auf diesen wird Kaffee und Kakao angebaut, aber auch andere Pflanzen wie Bananen, Gewürze und andere Früchte. Doch wir haben uns nur die Kakaopflanze genauer angesehen. Die Pflanze an sich wird bis zu 7 Meter hoch und wird nach einem bestimmten Schema gestutzt, damit man die Früchte besser ernten kann und sie mehr Früchte trägt. An einem Baum hängen normalerweise bis zu 50 Früchte, die erst grün, dann rot und dann gelb werden. Je nach Sorte können sie dann verschiedene Farben zum Zeitpunkt der Ernte haben. Das interessante ist, dass die Pflanze permanent Blüten und Früchte hat, was bedeutet, dass man das ganze Jahr über ernten kann. Doch trotzdem gibt es die meisten reifen Früchte zwischen August und September. Nachdem wir noch einiges mehr über die Pflege und die Ernte des Kakaos erfahren hatten, waren wir selbst gefragt und jeder durfte eine reife Schote ernten. Danach sind wir wieder zurück zu den Autos gelaufen und weiter zur nächsten Station gefahren: Ein Standort von Sopexxca mit einer Art Jugendherberge, wo wir die nächste Nacht verbringen sollten. Dort sind wir dann nach einer weiteren recht turbulenten Fahrt angekommen und mit einem leckeren Mittagessen begrüßt worden. Nach dem Mittag ging es schon gleich weiter zur nächsten Finca, die ebenfalls vorrangig Kaffee und Kakao anbaut. Diese legte jedoch, im Gegensatz zu der Ersten, Wert auf organischen Anbau und verwendete keine Schädlingsbekämpfungsmittel oder Ähnliches. Dort sahen wir uns genauer den Prozess der Kreuzung an, denn das wird häufig gemacht. Dabei setzt man an einen schwächeren Baum, der beispielsweise nicht so viele Früchte trägt, einen kleinen Zweig eines anderen Baums an und dadurch wird er stärker. Leider funktioniert das nicht immer so gut und teilweise brechen die kleinen Zweige wieder ab und vertrocknen. Schließlich sind wir dann wieder zurück gelaufen und haben den, in verschiedensten Grüntönen leuchtenden Urwald und die Plantagen im Licht der untergehenden Sonne bewundert. Zurück bei Sopexxca haben wir noch einen kleinen Film über die Kooperative gesehen und hatten die Möglichkeit, Fragen zu stellen und genaueres über sie zu erfahren. Anschließend gab es Abendbrot und ein kleines Kulturprogram mit traditionellen Tanzeinlagen von einigen Leuten aus der Gemeinde. Das war sehr interessant und später spielte auch noch eine kleine Musikgruppe für uns. Bei einem gemütlichen Lagerfeuer hatten wir die Möglichkeit, uns über das gemeinsame Tanzen besser kennenzulernen, was uns allen viel Freude bereitet hat. Der Abend klang dann langsam aus und wir legten uns unter unseren Moskitonetzen zur Ruhe…

-Frieda-

 

Ernten einer reifen Kakaobohne

Ernten einer reifen Kakaobohne

Tag 11

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Der Tag des vielen Fahrens

Wie immer stehen wir in größtmöglicher Frühe, vollkommen unausgeschlafen auf, um den größten Anteil unseres Gepäcks an einem sicheren Ort zu verstauen. Schließlich ist heute der Tag, der als der Tag in die Geschichte eingehen wird, an welchem wir in den Norden Nicaraguas aufbrechen werden. Planmäßig holen wir zuerst unsere nicaraguanischen Brüder und Schwestern ab, dann das Kamerateam und sein Equipment vom Flughafen in Managua. Das Filmteam von JenaTV wird uns die nächsten Tage im Norden begleiten, um einen Film über unseren Austausch zu drehen. Der erste Teil des Masterplans ist gut und schnell erledigt, während der nächste Abschnitt nicht in der Art und Weise erfüllt werden kann, wie es angedacht war. Am Flughafen ereilt uns die Hiobsbotschaft, dass die Ausrüstung der Filmtruppe konfisziert wurde, da ihnen irgendeine Genehmigung fehlt, welche ihnen ein problemloses Einreisen mit Filmutensilien dieser Dimensionen ermöglicht. Mir ist nicht gänzlich bekannt, aus welchem Grund derartige Hindernisse bei der Einfuhr solcher Gegenstände bestehen, aber vermutlich bestehen politische Hintergründe. Wir versuchen natürlich, die Flughafenbehörde davon zu überzeugen, dass der geplante Film über unseren Nicaraguaaustausch keinerlei Bedrohung für das politische Machtmonopol des Präsidentenpaares ist. Allerdings ist unser Erfolg lediglich darauf beschränkt, dass wir an das Ministerium für Tourismus verwiesen werden, welches wir prompt aufsuchen, um die Freilassung der Kameras zu beantragen, welche sich unverhofft in der Rolle politischer Gefangener sahen. Auf dem Weg dahin legen sich unsere Gesichter in Sorgenfalten, denn ein solcher bürokratischer Pfad verläuft sich schnell in einer Sackgasse oder führt durch einen solchen Anträgesumpf, dass das Durchqueren Monate dauern kann, Zeit die wir nicht haben. Als wir beim Ministerium angekommen sind, entspannen sich die Falten zumindest für einen Augenblick und weichen einem breiten Grinsen, denn das Ministerium für Tourismus, welches eben noch bedrohliche Schatten auf unsere Planung warf, gleicht von außen eher einer mediterranen Eisdiele. Die Größe ist, soweit ich das beurteilen kann, beinahe identisch, mit der Stärke der Besetzung sieht es ähnlich aus, und die Außenscheiben zieren mindestens genauso lustige, bunte Werbebilder. Der einzige größere Unterschied scheint der schwer bewaffnete Sicherheitsbeauftragte zu sein, welcher mit stummem Blick Wache hält. Im Ministerium sehen wir Schüler uns weitestgehend machtlos, weshalb wir draußen auf ein von den Erwachsenen erzieltes Ergebnis warten. Letztendlich lassen wir das Filmteam allein zurück, da wir schon genug Zeit verstrichen ließen. Nach langer Fahrt erreichen wir Jinotega, eine im Norden Nicaraguas liegende Stadt. Nachdem wir eine Kleinigkeit zu Mittag gegessen haben, fahren wir zu einer Produktionsstätte, in welcher Kakaobohnen getrocknet und fermentiert werden. Dort bekommen wir einen detaillierten Einblick in diese wichtigen Schritte bei der Schokoladenherstellung. Ebenso erhalten wir eine erste Gelegenheit, unsere Fragen zu der Organisation „Sopexxca“ zu stellen. Sopexxca ist ein Dachverband für verschiedene Kooperativen und wird die nächsten Tage unsere Touren leiten. Nach weiteren Stunden Fahrt im Bus erreichen wir eine Gemeinde in den Bergen, welche den Namen „El Cua“ trägt. Anscheinend ist diese Häuseransammlung ein wichtiger Handelspunkt für den Norden Nicaraguas. Immer wieder überrascht mich an diesem Tag die Unermüdlichkeit unseres Busfahrers, welcher nach so vielen Stunden konzentrierten Fahrens noch immer mit seinem Humor begeistern kann. In einer kurzen Führung erfahren wir unter anderem, dass sich die Frauen El Cua’s auf heroische Art und Weise in der Revolution verhielten, indem sie zum Beispiel verletze versorgten und damit den Unmut der Regierenden auf sich zogen. Um diesen Einsatz zu würdigen, hat man für sie ein Lied geschrieben. Anschließend finden wir Gelegenheit, unsere Unterkunft für diese Nacht näher zu betrachten. Angeblich triefen aus einigen Zimmerwänden merkwürdige Flüssigkeit und alles ist voller Haare, Kaugummis und anderer erregender Dinge, während mein Kämmerchen durch seine schlichte Sauberkeit besticht. Schlafen werden wir wahrscheinlich trotzdem wie die Steine.

-Sandro-

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Tag 10

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Unser Tag startete wieder einmal mit einem schönen Frühstück bei Doña Lilliam. Danach machten wir uns auf den Weg in die Landeshauptstadt Managua. Vorher legten wir einen kleinen Zwischenstopp in einer Finca ein. Diese wurde von einer sehr netten Dame gegründet und ist mit einem Hotel gekoppelt. Hauptsächlich wird in der Finca Kaffee angebaut, doch neben diesem gibt es auch alle möglichen Citrusfrüchte, Bananen, tropische Bäume und wunderschöne Blumen und Sträucher. Hier gibt es 60 permanente Mitarbeiter aber während der Ernte sind bis zu 200 Mitarbeiter beschäftigt. In dieser Finca sind oft Schulklassen zu besuch, welche mehr über den Leitgedanken des Ortes lernen können. Die Frau ist sehr religiös, weshalb viele Wege und Plätze Religiöse Namen haben, wie zum Beispiel Maria Magdalena. In der Finca wird großen Wert auf biologischen und nachhaltigen Anbau gelegt. Uns wurde sehr genau erklärt, auf welche natürliche Weise versucht wird, die Schädlinge zu bekämpfen. Zum Beispiel gibt es hier eine Art riesige Blattschneideameisen, welche die Blätter der Kaffeepflanzen anfressen. Um die Ameisen abzuhalten, wurde um die Kaffeebeete eine Pflanze gepflanzt, die eine nur für die Ameisen giftige Substanz enthält. Die Finca ist auch zu einem Reservat für verschiedenste Tiere geworden. Es gibt Vögel, die im Winter aus den USA bis dorthin ziehen. Aus diesem Grund wurden extra Vogelschutzgebiete eingerichtet, in die sich die Vögel zurückziehen können, wenn die Erntezeit beginnt. Auch nicht ungewöhnlich sind hier Hasen, die einen Neugierig auf dem Hof begrüßen. Auf unserem Rundgang durch die Finca hatten wir das unglaubliche Glück den Nationalvogel, den Guadabarranco, anzutreffen. Dieser kleine grün-blaue Vogel hatte sich extra für uns am Wegesrand platziert und winkte uns mit seinen zwei Schwanzfedern zu. Am Ende unseres Rundgangs trafen wir einen Mann mit einem sehr ungewöhnlichen Talent. Er hat die Fische im hiesigen Teich so trainiert, dass sie an die Oberfläche kommen, wenn er sie ruft und eine bestimmte Melodie pfeift. Den Abschluss bildetet eine schöne Tasse Kaffee und eine frischgepflückte Mandarine, welche wir im Speiseraum des Hotels bekamen. Nachdem reichlich Kaffee für zu Hause eingekauft wurde, ging es weiter nach Managua. Dort trafen wir uns mit Blanca. Sie ist das nicht mehr ganz so kleine Patenkind des Kollegiums unserer Schule. Sie gab uns eine kleine Stadtführung. Wir begannen an dem Ort, an dem früher das Gefängnis der Somoza-Regierung gewesen war und der Revolutionär Sandino getötet wurde. Dieser Ort ist nicht nur geschichtsträchtig, man hat von dort aus auch einen sehr schönen Überblick über die Stadt. Das Stadtbild unterscheidet sich nicht viel von dem anderer Großstädte in Nicaragua. Teresa erklärte uns aber, dass es hier früher anders aussah. Es gab viele Hochhäuser, doch nach einem schweren Erdbeben sind nur noch ein Hochhaus und ein Hotel davon geblieben. Durch das gesamte Stadtbild Managuas ziehen sich große bunte Kunstbäume. Diese „Lebensräume“ sind durch die Regierung geschaffen worden. Für uns wirken diese Bäume etwas befremdlich und als wir erfuhren, dass dafür eine Millionen Dollar ausgegeben wurden, waren wir ganz schön fassungslos. Die großen Unterschiede zwischen arm und reich in diesem Land wurden uns einmal mehr bewusst. Als nächstes besuchten wir einen Park, der einem 10 jährigen Jungen namens Luis Alfonso Velasquez Flores gewidmet wurde. Dieser war zu Zeiten der Revolution auf der Sandinistischen Seite aktiv. Da er sehr klein war, konnte er leicht Nachrichten von A nach B überbringen. Die andere Seite durchschaute bei den Kämpfen diese Taktik jedoch, weshalb ihm ein Polizist in den Kopf schoss. Danach nahm er noch sein Auto und überfuhr den Jungen, so dass es wie ein Unfall aussah. Der Junge ist nun Namensgeber für diesen Park und steht symbolisch für alle Kinder, die damals durch die Konflikte umgekommen sind. In dem Park findet man verschiedene Sportanlagen, welche von den Familien kostenlos genutzt werden können. Wir besichtigten noch einige kleine Sehenswürdigkeiten, wie das Regierungsgebäude und fuhren dann zum Hafen. Von hier aus hatte man einen schönen Blick über den Managuasee. Nachdem wir uns mit reichlich Gallo Pinto, Fisch und Bananenchips gestärkt hatten, fuhren wir zum “Teatro Ruben Dario”, in welchem wir ein Konzert von Katja Cardenal besuchten. Sie ist eine berühmte nicaraguanische Sängerin, welche die Natur als Leitbild ihrer Lieder gemacht hat. Nach diesem langen Tag begann unsere Schlafenszeit schon im Auto auf dem Weg nach San Marcos, wo wir schließlich erschöpft aber glücklich ins Bett fielen.

-Fiona-

 

 

 

 

Tag 9

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Ganz nach dem Motto „Der frühe Vogel fängt den Wurm.“ begann der Tag für uns schon um 5 Uhr morgens, denn anders als sonst, wollten wir unser eigenes Frühstück zubereiten und dafür mussten wir noch vor der Busfahrt einkaufen. Schwer bepackt und voller Vorfreude auf das noch folgende Essen fuhren wir nach unserem Großeinkauf in die Bibliothek nach Dulce Nombre. Dort angekommen, gab es das lang ersehnte Frühstück zusammen mit Teresa, sowie Doña Miriam, Liset und Nadine von Aprodim. Anschließend machten wir uns auf den Weg zur Vor-und Grundschule im Dorf. Die „Prescolar“ (Vorschule) und „Primaria“ (Grundschule) kann von den Kindern schon vor der 1. bis zur 6. Klasse besucht werden und bildet somit den ersten Teil unserer Partnerschule „Instituto Corazón de Jesús“. Wir bekamen eine kleine Führung durch die einzelnen Klassenräume der Grundschule und konnten sofort Unterschiede zu unserer Schule feststellen. Zuerst stach uns natürlich die, in den Nationalfarben gehaltene, blau-weiße Schuluniform ins Auge, welche es so in Deutschland nicht gibt. Noch unbekannter war jedoch für uns die Tatsache, dass die Schüler in den Klassen alle sehr unterschiedlich alt zu sein schienen und es, wie sich heraus stellte, auch waren. Das liegt an der sinkenden Geburtenrate in Nicaragua und der damit einhergehenden sinkenden Anzahl an Schülern. Zu wenig Schüler bedeuten zu kleine Klassengrößen und deshalb müssen immer zwei Jahrgänge zusammengelegt werden. Anders als bei uns sind auch die Noten. Diese reichen von 0 bis 100, wobei 0 das schlechteste und 100 das beste Ergebnis ist. Zudem trafen wir einige Kinder an, die schon lange fleißig mit Schülern aus unserer Schule Briefe schreiben. Nach ein paar Gesprächen mit den Schülern und Lehrern setzten wir unsere Besichtigung in Richtung der „Secundaria“, dem 2. Teil des „Instituto Corazón de Jesús“ fort. Die Schule reicht von der 7. bis zur 11. Klasse und ist im Vergleich zur Jenaplan-Schule Jena, mit nur 180 Schülern und 8 Lehrern eher klein. An der Schule angekommen, bekamen wir die Möglichkeit, uns eine Stunde den Geographie-, Spanisch- oder Sportunterricht anzuschauen, was sehr interessant war. Nach dieser Stunde beendete die Direktorin die Führung in der Tischlerwerkstatt der Schule, welche momentan so gut wie leer ist, da sie sich in der Umbauphase befindet. Die Maschinen müssen noch hineingeräumt werden. Erst dann können wieder nützliche Dinge für die Schule entstehen oder repariert werden. Sie konnte uns jedoch auch einige Schränken präsentieren, die bereits repariert beziehungsweise gebaut wurden. Neben der Tischlerwerkstatt gibt es die Nähwerkstatt, in der die Schüler am Mittwoch und Donnerstag Nähunterricht haben. Dieser soll ihnen, genauso wie das Tischlern, die Möglichkeit offen halten, später einmal mit ihrem Handwerk Geld zu verdienen. Finanziert wurde und wird der Ausbau nicht nur von Aprodim, sondern auch von uns als Schülerfirma. Es war sehr schön für uns zu sehen, wo genau wir mit unserem Geld helfen und dass es auch mehr als benötigt und gut genutzt wird. Die Bedeutung der Schulpartnerschaft wurde uns hierbei erneut bewusst! Das Nachmittagsprogramm stand unter dem Thema des Weiterausbaus der Bibliothek. Um diesen möglichst weit voranzubringen, teilten wir uns in 4 Kleingruppen auf. Die 1. Gruppe baute eine Mauer aus Plastikflaschen hinter der Bibliothek weiter. Die Mauer wird benötigt, damit die Kühe vom Nachbarn nicht ständig durch den Garten laufen. Gruppe 2 bastelte aus alten Autoreifen Stühle. Die 3.Gruppe begann, eine Wand zum Schüleraustausch zugestalten und die letzte Gruppe stellte aus Muscheln Mobiles her. Am Abend konnten wir voller Stolz auf das Entstandene schauen und zufrieden einschlafen, immer im Hinterkopf das Sprichwort: „Der frühe Vogel fängt den Wurm.“

-Julia-

Bildschirmfoto 2016-02-23 um 22.18.24

Bemalte Reifen für die Sitze

Tag 8

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Nach einer kurzen Nacht machten wir uns auf zum Frühstück, welches aus Gallo Pinto und Früchten bestand. Danach ging es sofort nach Masaya, wo wir uns auf dem Markt umschauen wollten. Damit wir nicht als gigantische Gruppe durch den Markt gehen mussten, teilten wir uns auf. Natürlich wollten wir sofort zum “Artisania-“, also Kunsthandwerksbereich, da dieser am schönsten sein sollte. Da der Markt sehr klar eingeteilt ist, war dieser Bereich leicht zu finden. Dort gab es bunte nicaraguanische T-Shirts, Taschen und Bänder, aber auch Schmuck, Bilder und Schlüsselanhänger. Zu unserem Schrecken gab es auch ausgestopfte Kröten, Krokodile, Schildkröten und einige Vogelarten. Auch wurden einige Waren aus Krokodilleder hergestellt.
Nachdem wir noch ein wenig Verpflegung gekauft hatten, trafen wir uns vor dem Markt, wo wir uns noch einen Orangensaft kauften, welcher direkt vor unseren Augen gepresst wurde.
Wir wollten uns danach eigentlich zur Laguna de Apoyo in Catarina begeben. Unser Fahrer machte uns aber darauf aufmerksam, dass wir uns zunächst zum Aussichtspunkt der Laguna von Masaya aufmachen könnten. Diesem Vorschlag folgten wir und uns bot sich ein schöner Ausblick. Dennoch bestaunten wir ihn nur kurz, um noch ausreichend Zeit für die Laguna de Apoyo zu haben. Dort angekommen, begaben wir uns auch zunächst zum Aussichtspunkt, um dort zu essen. Der Ausblick auf die Lagune war bei weitem schöner als jener auf die Lagune in Masaya. Wir wollten uns über einen Wanderweg runter zur Lagune begeben. Für ein wenig Geld hätten wir uns auch von einem Pferd tragen lassen können, was uns allerdings nicht sinnvoll erschien. Der Wanderweg führte durch einen schönen Regenwald und vorbei an ein paar Anbauflächen. Da der Weg aber nicht zu unserem eigentlichen Ziel führte, mussten wir noch ein Stück einer Straße folgen, welche uns zu einem Ort mit vielen Restaurants wies. Dort konnten wir uns direkt zur Lagune begeben, wo einige von uns im kristallklaren, azurblauen Wasser badeten. Als wir uns zum Bus begaben, welcher uns wieder nach San Marcos bringen sollte, begegneten wir noch ein paar Affen. Sie saßen auf einem Ast über dem Weg und beobachteten die Passanten. Als sie irgendwann die Nase voll hatten, urinierten sie einfach auf den Weg, um ihren Unmut auszudrücken. Dann brachte uns der Bus nach Hause, wo wir müde einschliefen.

-Alexis-

Ein Stand mit verschiedensten Gewürzen

Ein Stand mit verschiedensten Gewürzen

Die Lagune

Die Lagune

Tag 7

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Die Kathedrale von innen

Die Kathedrale von innen

Auf der Kathedrale

Von verschiedensten Weckertönen geweckt, starteten wir unseren Tag in Leon. Nachdem sich alle frisch gemacht hatten, machen wir uns auf die Suche nach einem kleinen Frühstücksimbis. Gefunden haben wir diesen auf dem Leons Markt. Dort begann auch unsere kleine Stadtführung von Cynthia. Die erste Station war die Makthalle. Dort stieg uns ein Geruch aus einer Mischung von Fisch, Fleisch, Früchten und vor allem auch Abfällen in die Nase und Cynthia erklärte uns, dass das auf vielen Märkten ein großes Problem sei. Auf unserem weiteren Weg durch die Stadt erfuhren wir sehr viel über die Geschichte Leons und auch Nicaraguas. Außerdem erklärte uns Cynthia etwas über die Umweltverschmutzung und deren Folgen auf die Gesundheit der Menschen. Beispielsweise ist der Managuasee sehr stark von Abwässern der umliegenden Fabriken verschmutzt und dadurch enthält das Wasser einen gewissen Anteil Quecksilber. Dieses nehmen wiederum die Fische durch ihre Nahrung auf und da die Menschen die Fische essen, nehmen auch diese das Quecksilber zu sich. Das führt dann häufig zu Nierenversagen und ist ein echtes Problem für die Betroffenen. Diese starke Verschmutzung der Flüsse und Seen durch den Müll und andere Chemikalien konnten wir selbst an vielen Stellen Leons beobachten. Ein weiterer Anhaltspunkt auf unserer Stadttour war ein Museum über die Mythen und Legenden Nicaraguas. Es befand sich in einem ehemaligen Gefängnis, in dem, zu Somozas Zeiten, viele Menschen gefoltert und getötet wurden. Zum einen wurde dieses Museum den Opfern gewidmet und zum anderen wurden die Mythen und Legenden der Indos in Form von lebensgroßen Puppen vorgestellt. Wir haben eine interessante Führung durch dieses Museum bekommen und konnten das gesamte Gelände besichtigen. Danach hat Cynthia unsere Leon-Tour fortgesetzt und so kamen wir schließlich an der Endstation an: La Cathedral de la Asculcion. Diese Kirche ist besonders schön, denn sie ist von oben bis unten weiß angestrichen und auch von innen ist sie sehr hell und prunkvoll. Aber das eigentlich Besondere und Sehenswerte an dieser Kirche ist das Dach, denn es ist sehr kunstvoll gestaltet und man hat einen wahnsinnig tollen Blick über Leon und die Umgebung. Aus diesem Grund stiegen wir die Stufen zum Dach hinauf. Oben drauf muss man seine Schuhe ausziehen, damit das weiße Dach nicht dreckig wird. Die vielen guten Empfehlungen waren keinesfalls untertrieben, denn der Blick und das schöne Dach haben uns alle sehr beeindruckt. Nachdem wir uns einigermaßen sattgesehen hatten, haben wir noch einen kleinen Eisimbis eingelegt und sind zurück ins Hostel gegangen. Dort haben wir noch schnell unsere Sachen zusammengepackt und sind zum Serro Negro losgefahren. Das ist ein relativ junger Vulkan, in der Nähe von Leon, den wir erklimmen wollten. Er macht seinem Namen alle Ehre, denn er ist wirklich schwarz. Am Eingang angekommen konnte man sich Borde ausleihen um dann nach dem Aufstieg damit herunterfahren. Wir stiegen auf den Vulkan und wurden oben fast wieder herunter geweht. Dort oben war ein richtiger Sturm und man hatte eine tolle Sicht in das umliegende Land! Sehr lange haben wir es da oben jedoch nicht ausgehalten, der Wind war einfach zu stark und deshalb machten wir uns auf den Weg nach unten. Fast alle sind mit den Borden runter gefahren und ein paar sind runter gelaufen, oder eher gestapft. Das war wunderschön anzuschauen und auch die Aussicht hat uns allen den Atem geraubt. Dieser Nachmittag war für uns alle ein super beeindruckendes und einprägsames Ereignis! Auf der Rückfahrt waren alle total verdreckt und verstaubt von der Abfahrt und blieben dann zu guter Letzt auch noch mit dem Auto im Staub stecken. Doch mit gemeinsamer Kraft konnten wir das Auto dann doch noch auf den richtigen Weg bringen und sind sicher zu Hause angekommen, wo wir erschöpft ins Bett fielen…

-Frieda-

 

 

Tag 6

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Gestaltungselement auf dem Spielplatz

Der Tag begann, wie es sich für Abenteurer unseres Gleichen gebührt, sehr früh. Wir hatten schließlich vor, uns in die erste Hauptstadt der Revolution zu begeben. Die Rede ist selbstverständlich von Leon. Wie jede Reise beginnt auch diese mit dem Ersten Schritt über die Schwelle der Tür, wo bereits die Microbusse warten. Diese Gefährte sollen uns und unsere Nicaraguanischen Gefährten in diese alte Stadt bringen. Unsere dortige Unterkunft ist ein Hostel, welches von einer Organisation namens Sonati geführt wird. Bei Sonati handelt es sich um eine non-profit-Organisation, welche sensibilisierenden Unterricht mit Kindern durchführt, um selbigen ein größeres Umwelt-und Nachhaltigkeitsbewusstsein beizubringen. Eine solche Sensibilisierungstour führen einige Mitarbeiter von Sonati mit uns durch. Dazu sahen wir uns als erstes den Fluss an, welcher durch Leon fließt, und auf den Namen „Rio Chiquito“ hört. Traurigerweise ist die Bezeichnung „Chiquito“, was so viel wie „winzig“ bedeutet, mehr als zutreffend, denn dieser einst so satte Strom gleicht nun eher einer jämmerlichen Pieselrinne als einem Fluss. Die Ursache dieser Katastrophe ist zum größten Teil der Müll und seine unsachgemäße Entsorgung. Wir erfuhren, dass der Fluss etwa sechs Monate brauchen würde, um sich allein aus seinen Quellen zu regenerieren. Dafür dürfte allerdings keine einzige Plastiktüte oder anderer Müll in den Fluss gelangen. Die nächste Station unserer Tour war eine Biokläranlage, welche die Abwässer aus den umliegenden Vierteln reinigen sollte. Dazu wurden die grauen Wasser zunächst in zwei große Becken aufgeteilt, in welchen sich die Hexensuppe aus verschiedensten Chemikalien erst einmal abreagieren soll. Dieser Atmungsprozess wird dadurch unterstützt, dass sich in den Becken Schildkröten und Krokodile befinden, welche durch ihre Bewegungen die Zirkulation des, nun ja, Wassers unterstützen. Nachdem das Wasser 15 Tage in dieser Grube vor sich hin siechte, darf es in das zweite Becken übersetzen. Dort wird die Flüssigkeit durch bestimmte Pflanzen weiter gefiltert. Dieser Prozess erinnert stark an die Anlagen, welche wir am Tag 1 unserer Reise auf der ökologischen Route besichtigt haben, welche das Seifenwasser für die Bewässerung von Pflanzen aufbereiten sollen.
Anschließend sahen wir uns einen Spielplatz an, dessen Bau von Sonati betreut wurde. Die Besonderheit dieser Einrichtung ist, dass darin über 600 alte Autoreifen einem neuen, hehren Zweck gewidmet wurden. Aber neben Reifenschaukeln, Reifenbergen und Reifenmäuerchen gab es auch viele kunstvoll angelegte Mosaike, in welchen andere Materialien wie Glas oder Flaschendeckel wiederverwendet wurden. An diesem Ort machten wir noch einige Aktivitäten zum Thema Müll und seinen Weg durch Wald und Fluss.
Später suchte unsere Gruppe sich auf dem Markt in Leon etwas zu essen. Anschließend teilten wir uns auf, um entweder die Festlichkeiten zu Ehren Rubén Darío`s zu genießen, dessen Tod die Menschheit vor genau hundert Jahren erschütterte, oder um sich anderweitig das abendliche Leon anzusehen.
Am Ende dieses Ereignisreichen Tages legten wir uns alle mit dem Kopf voller Eindrücke schlafen um das Erlebte im Traume zu sortieren.

 
-Sandro-